TWOF2 + dascollectiv

SKREEK

A COMIC REVOLUTION

Der Comicboom hat längst die Literatur und sogar die Philosophie erreicht, Graphic Novels sind auf dem Vormarsch und auch im Kino werden Comic-Superhelden immer öfter zu Leinwandstars. Im Theater hat das Genre bis jetzt noch keinen Platz gefunden. Eine Uraufführung im Dschungel Wien - im Theaterhaus für ein junges Publikum - wird das jetzt ändern. "Skreek" heißt das Stück, (...) Die jugendlichen Zuseher erleben Theater im Kinokontext, was ihren Sehgewohnheiten eher entspricht, gleichzeitig bleibt die Unmittelbarkeit des Theatererlebnisses erhalten. Das Stück ässt sich vielfach interpretieren: als Ode an die Kunst, die den Menschen erlaubt die Welt zu begreifen, als Parabel über die Menschwerdung oder als Geschichte vom Ende der Kindheit. Denn Jean Luck entdeckt nicht nur die Freuden des Motorradfahrens, die Schönheit der Natur und der Musik, er merkt auch, dass zum Fliegen die unsanfte Landung gehört, dass sich aufblasbare Sexpuppen nur bedingt zur Freundschaft eignen und dass es durchaus verbotene Türen gibt.

(...) Auf kulinarisch witzige Weise und mit einem überraschenden Ende zeigt Skreek dass es eben leichter ist ein kontrollierter Superheld zu sein, als ein freier Mensch.

(KATHARINA MENHOFER, Ö1 Kulturjournal)

Mit einer gelungenen Mischung aus Live-Video, Film, Theater und Comic unterhält das Team von TWOF2 + dascollectiv im Dschungel junges Publikum ab 13 aufs allerbeste. Giovanni Jussi, Schauspieler mit Multitalenten, ist die Comicfigur Jean-Luck, die dem papierenen Gefängnis entkommen will. Beste Unterhaltung mit Anspruch.

Zu Beginn fragt die Comiczeichnerin (Maria Spanring) wie wir denn feststellen können, ob wir real sind oder ausgedacht, wie wir wissen, ob wir überhaut sind. Die Antwort kennen wir doch. Zumindest die Erwachsenen, die ihren Descartes gelesen haben. Am Ende der köstlichen 60 Minuten (TWOF2 wissen immer, dass gedehnter Quark, lediglich breit wird, nicht stark) weiß ich gar nichts mehr, auch nicht ob ich nur eine erdachte Figur bin oder doch nur von Spanring / Jussi und dem Kameramann Francesco Diaz geträumt. Descartes, pardon, muss noch mal herhalten: „Auch wenn ich zweifle bin ich.“ Aber bin ich ich? Egal, das führt jetzt wirklich zu weit und soll nur meine (von Jussi, der auch der Autor des Stückes ist, sicher beabsichtigte) Verwirrung zeigen.

Soweit zum Anspruch. Jetzt zur Unterhaltung.

Jean-Luck (ausgesprochen Jå-lak, bitte nicht fragen warum) also ist von einer besitzergreifenden Zeichnerin erschaffen und lebt, im schwarzweißen Sportdress mit Motorradhelm, zwischen Küche, Keller und Badezimmer. Ein ödes Leben, auch wenn er mit seiner Zeichnerin kommunizieren kann. So kommt es, wie es kommen muss (und ein bekanntes Phänomen der Literatur ist): Das Geschöpf lehnt sich gegen die Schöpferin auf. Doch was immer dieses abenteuerlustige Geschöpf wagt, es passiert ihm gar nichts, schließlich sind Comicfiguren unverletzbar – wenn die Erfinderin es will.

Jussi ist ein akrobatischer Darsteller, dessen Mimik in der Nahaufnahme mehr sagt als alle Worte. Wenn er die Augen rollt und seine Domina anfleht: „Ich will hinaus“, kann ihm nur noch „E.T., der Außerirdische“ das Bier reichen. Mit ihm (nicht E.T. sondern Jussi) steht und fällt das Stück, das im Untertitel „A Comic Revolution“ genannt wird, was sich natürlich auf den Revolutionär Jean-Luck (wie viele Sprachen sind in diesem Namen enthalten?) bezieht und nicht auf das Theaterformat.

Wenn dieses „innovativ“ ist, wie der Dschungel-Programmzettel prahlt, dann im Theater für junges Publikum, an sich ist die Vermischung der Medien samt Live-Kamera nichts Neues. Anspruchsvoll ist es immer, die Medien live zu kreuzen. In "Skreek" wird dieser Anspruch bestens erfüllt. Präzise und flüssig, ohne den immensen technischen Aufwand sichtbar zu machen, sprudelt die Melange über die Dschungel-Bühne, kokettiert mit dem Wechselspiel zwischen Form und Inhalt. Um die mannigfaltigen Überraschungseffekte nicht vorwegzunehmen, wird weder die gesamte Geschichte erzählt noch das technische Know-how erklärt. Wer mehr darüber wissen will, darf nach der Vorstellung hinter den Vorhang.

Dass diese intelligente, genaue und eben dadurch so amüsante Arbeit nur an drei Tagen aufgeführt wird, verwirrt mich noch mehr als die Zweifel an der Realität. Wo bleibt denn die viel zitierte "Nachhaltigkeit"?

Der Jubel des jungen Publikums wollte nicht enden und das ist voll verständlich. 

(DITTA RUDLE, Tanzschrift.at)

Die Gruppe TWOF2 ist bekannt für innovative Ansätze für Jugendliche. Das neueste Stück beeindruckt mit einem visionären Setup: Live-Video, Film, Schauspiel, Comic- Elemente und Tanz verbinden sich zu einer medial vielschichtigen Performance, die die ZuseherInnen auf einer riesigen Leinwand mitverfolgen. (...)

Skreek ist komisch, ein Erlebnis für alle RezipientInnen, ein poppiger Frankenstein und so noch nie gesehenes modernes Techniktheater, dessen Umsetzung punktgenaue Abstimmung der DarstellerInnen erfordert. Reizvoll ist neben dem Design und der medialen Darstellung vor allem die Unklarheit darüber, was im Stück live passiert und was aufgezeichnet ist. Auch die Erweiterungen der Bühne durch die sonst nie sichtbaren KünstlerInnenräume des Theaters und die Außenwelt sind spannend. Und die Rezeptionshaltung kommt der Situation eines Videospiels nahe, was Jugendlichen gefallen sollte. (...)

Skreek hat eine Wiederaufnahme jedenfalls verdient.

(TIMON MIKOCKI, Jungekritik)

Was ist echt, was wirklich, was künstlich erschaffen, was vielleicht „nur“ eingebildet? Und wie ist das, wenn sich eigene Schöpfungen nicht mehr einsperren lassen, sondern befreien wollen? Diese und ähnliche Fragen werden derzeit auf der Bühne des großen Saals im Dschungel Wien verhandelt – in sehr witziger, innovativer Form. (...)

(HEINZ WAGNER, Kurier)

LÜGEN

Kurze Beine oder lange Pullover

Mit Spielfreude und Fantasie unterhält die Theatergruppe TWOF2 im Dschungel Volksschulkinder mit Wahrheits- und Lügengeschichten. Regisseurin Maria Spanring hat einen witzigen Text über Lüge und Wahrheit geschrieben; Danijela Milijic, Andri Schenardi und Giovanni Jussi spielen, singen und tanzen mit und zur Begeisterung aller.

Manche der Zuschauer_innen haben einen Stempel auf dem Handrücken. Sie sind beim Lügen ertappt worden und dürfen sich in der rechten Bühnenhälfte, die von Giovanni Jussi, der auch für Kostüme und Musik verantwortlich ist, mit Teppich und Stehlampe wohnlich eingerichtet ist, gemütlich zurücklehnen. Die Wahrheitsliebenden sitzen in den Reihen. Dass sie die Mehrheit bilden, muss schon die erste Lüge sein und Long John (Schenardi), der sie betreut, liebt sie zwar, die Wahrheit, doch beim Test wird auch er als Schwindler entlarvt. Denn es geht gar nicht anders, ohne kleine Schwindeleien, große Ausreden und saftige Lügen kommt man doch gar nicht durch die Welt. Das weiß auch Mini Mizzi (Milijic), die ihre Hälfte so launig und locker wie Long John ins Thema einführt.

In einem rasanten Pingpong-Spiel werfen die beiden einander die Personalien und Definitionen von Wahrheit und Lüge zu. „Bleich und wie ein abgebrannter Vorhang ist die Wahrheit“ schimpft die Lüge. „Ein Reh sanft und zart, durchsichtig und zerbrechlich“, kommt sofort die Replik. Auch für die Erwachsenen gibt es einige Hinweise, etwa den: „Die Lüge sitzt im Parlament“.

Entspannt lauschen und lachen die Kinder, staunen beim Lügentest, wenn Mini Mizzi und Long John einander den geheimen Inhalt einer Schachtel schildern und der / die jeweils andere feststellen darf, ob gelogen oder wahr gesprochen wird. Ärgerlich, dass meine Gruppe, natürlich die wahrheitsleibende, mit Null Punkten die Verliererin ist.

Mini Mizzi geht auf die Suche nach der ganzen Wahrheit und findet sie im Klo, dort wo das Abflussrohr den Knick hat. Da muss nicht nur der aufgeweckte Sinan laut zustimmen, die ganze Wahrheit gibt es nämlich nicht.

Giovanni Jussi hat einen echten Lügendetektor gebaut, mit silbernem Helm, Computeraufzeichnung der Messdaten via Bildschirm, Musik und lautem Quäken, wenn der / die Getestete schon wieder lügt. Begeistert arbeiten die Kinder mit, lassen sich auch testen und merken, dass ein kleiner Schwindel keine Tragödie ist.

Am Ende wird nicht moralisiert sondern getanzt und gesungen und Jussi verwandelt sich vom ernsthaften Computertechniker zum fröhlichen, hüftschwingenden Zauberer. Die interaktive, witzige, Performance (altersgemäß für 6+ und in der richtigen Länge) erntet den verdienten Applaus.

(DITTA RUDLE, tanzschrift.at)

Haben Lügen Hasenohren?

Vielleicht noch nie wurde die Frage ob Lüge oder Wahrheit fast eine Stunde lang so amüsant, vielfältig, manchmal echt, dann wieder sich selbst hinterfragend, verhandelt. Dabei beginnt sie schon vor dem Stück. Gleich neben der Kassa des Theaterhauses für ein junges Publikum im Wiener MuseumsQuartier sitzt ein „menschlicher Lügen-Detektor“ und stellten allen die gleiche Frage. Eher willkürlich (?) verpasst er einer Minderheit den Stempel „Lügner“ auf die Hand. Die so gekennzeichneten Besucher_innen nehmen im Saal in der kleineren Ecke Platz, die anderen auf der Tribüne. Der Detektor von vorhin, Giovanni Jussi, werkt an einem Tisch, der vor Kabelsalat überzugehen scheint. Laptop, Soundmaschine, Kabel und elektronische Kästchen, Klemmen... und ein Nudelsieb mit buntem Drahtgewirr obendrauf als Art stilisierter Datenhelm.

„Die Lüge putzt sich nie die Zähne!“, ruft Andri Schenardi als Long John vom Eck der Wahrheit kommend. „Und die Wahrheit stinkt nach Knoblauch“ schleudert ihm Mini Mizzi, gespielt von Danijela Milijić, an den Kopf. Sie bespielt anfangs die Ecke mit den „Lügnern“. Nach Fantasie-Lebensläufen, die die beiden jeweils „ihrem“ Publikum erzählen, starten sie ein Spiel, bei dem jeweils ihr Gesicht gefilmt wird. Das „eigene“ Publikum soll aus den an die Wand gebeamten bewegten Bildern des Gegenübers erkennen, ob diese/r lügt oder nicht.

Die Suche der „ganzen Wahrheit“ wirft so manche fantasievollen Vorschläge ins Spiel – von unter dem Boden bis zu im Klo. Und wenn sie wer gefunden hat, kann sie wo hin getragen werden?

Und überhaupt, ist nicht die Grenze zwischen Lüge und Wahrheit sehr, sehr schmal? Kann nicht für jemanden, der an die Lüge glaubt, diese zur Wahrheit werden? Und was, wenn Wünsche wirklich wahr werden, der Detektor zaubern kann und Hasenohren kriegt? Diese und andere philosophischen Fragen rund um dieses Thema schwirren nur so durch den Theatersaal. Dazwischen kommt ein Lügen-Detektor-Computerprogramm zum Einsatz – gemessen werden Puls, Haut-Widerstand und Herzfrequenz. Weil die Kalibrierung dieses in echt für private Zwecke immer wieder gebrauchten Programms einige Zeit in Anspruch nimmt, wird auf der Bühne geschummelt – aber das Stück „Lügen“ will ja ohnehin mit dem Gegensatz spielen, ihn gar nicht absolut sehen, schon gar nicht moralisierend den einen oder anderen Zeigefinger erheben und nicht zuletzt demonstrieren, dass im Flunkern ja nicht zuletzt der reizende Kern von Fantasie liegt.

(HEINZ WAGNER, Kurier)

SCHNEEWITTCHEN BACKSTAGE

Schönheit und Betrachter

(...) „Schneewittchen Backstage“ stellt sich der Schönheit und ihren Idealen, ihren Mechanismen, eindringlich und einfühlsam. (...) Das Stück präsentiert dabei keine vorgefertigten Antworten, keine moralischen Stehsätze, zeigt nicht mit dem Finger, sondern formuliert Fragen und lässt Raum für Reflexion. Denn da liegt sie, die Schönste von allen, bekannt aus dem alten Märchen, eine Figur von unauslöschbarer Kraft. (...)

Es ist ein beeindruckendes Stück, das mit einem aufwändigen Bühnenbild und einem erstaunlichen Rhythmus, der nicht zuletzt durch die Intensität der beiden DarstellerInnen erzeugt wird, nicht mehr loslässt. Dabei wird der öffentliche Raum, in dem das Stück inszeniert ist, zum Innersten umgekehrt. Die Kopfhörer brechen die Distanz auf, indem man Teil hat an den Gedanken, Unsicherheiten, Entscheidungen der jungen Frau, die sonst niemand hört. Es ist ein doppelter Blick, man ist Betrachter und wird betrachtet von allen, die um einen im Wiener Museumsquartier an einem sonnigen Tag sind. Und dann ist da noch einer: Ein Erzähler vielleicht. Ein Gegenspieler oder Verbündeter, ein Herausforderer. Einer jedenfalls, der die richtigen Fragen stellt, der zwischen den Welten innerhalb der Kugel und im öffentlichen Raum wandelt und der die junge Frau mit sich, mit der Welt konfrontiert, so wie er es auch mit dem Publikum macht. (...)

Das Spiel mit dem Raum, mit der Wahrnehmung, mit den eigenen und fremden Fragen bietet Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit, zu beobachten und sich den eigenen Bildern zu stellen. Schneewittchen vollzieht somit gemeinsam mit dem Publikum die Metamorphose von der geretteten Schönen zur Retterin ihres eigenen Glücks. 

(SUSANNE TRENKWALDER, Zuschauerrezension) 

Mit seiner unkonventionellen Darstellungsweise konnte das Zwei-Personen-Stück Schneewittchen Backstage überraschen. Das Kollektiv TWOF2 trägt seine Arbeit dorthin, wo Performance auch hingehört: in den öffentlichen Raum. Per Kopfhörer – zugleich gemeinschaftlich und doch exklusiv – verfolgt man im Freien, wie die rot-weiß- schwarze Märchenfigur (Maria Spanring) im Inneren einer überdimensionalen Schneekugel ihre Show vorführt. Ihr einziger Begleiter ist ein bärtiger, langhaariger Zwerg im Anzug (Giovanni Jussi), der elektronische Musik erzeugt und als Showmaster assistiert. Es geht natürlich um Fragen der Schönheit, das Publikum (12+) wird dazu ermutigt, das Thema in modernen Zeiten zu reflektieren und vorherrschende Meinungen zu hinterfragen. Schneewittchen dient dabei als unnahbare Projektionsfläche. „Meine Wangen sind so fragil wie Zigarettenpapier“, haucht die Schöne herunter, um damit die Deutungsfreiheit von Schönheit zu betonen. Die glatte Ästhetik ist verführend. Die aktionistisch vorgebrachte Message, die das Märchen gegen den Strich bürstet, lautet „Ich kann sein, wer ich will“. Wenn man ein Zwerg ist, der Süßigkeiten liebt, vergleicht man Mädchen mit Marshmallows: Sie sind süß und klebrig und rosig weich. Schönheit wird konstruiert. Und sie kann leider auch zum Fluch werden, wie das Schneewittchen beklagt. Die Modeschau mit Zwerg besteht aus lose zusammengesetzten verbalen und musikalischen Versatzstücken, die nur ausgewählte Motive des Märchens filtrieren und zeitgemäß weiterspinnen, ohne aber dabei greifbares Neues zu vermitteln. Insgesamt ist man in diesem innovativen Rahmen flüchtig von konzeptuellen Ideen, Halbsätzen und der Stimme der Schönheit beglückt, das Ganze ist aber zu diffus, um eine einschlagende Neuinterpretation des Märchens zu sein. Vielleicht ist es aber auch nicht als solche gedacht.


(TIMON MIKOCKI, Jungekritik.com)

STORIES

WO ALLES BEGINNT

Ein Schwein auf dem Mars und die Skyline von Krems!

Schräge, fantasievolle Performance "Stories. Wo alles begann" im Dschungel Wien

Ein Schwein auf dem Mars und die Skyline von Krems. Klingt schräg. Ist es auch. Sehr sogar. (...) - eine echt innovative Performance. Licht, Geräusche, neonleuchtende Brillen des Darsteller_innen-Trios. Lange Zeit wird nichts gesagt, (...) Und so können – unbeeinflusst von Worten – viele Geschichten entstehen, sich in den Köpfen der Zuschauer_innen einnisten, entstehen, wachsen, vergehen, von neuen abgelöst, verdrängt, ersetzt werden oder zusammenwachsen?!

Hin und wieder gibt es gesprochene Anker für mögliche neue Geschichten. (...) ... ver-rückt. Ja, übliche Theater-Sehgewohnheiten werden hier ziemlich verschoben, hier wird Fantasie, die angeregt werden soll, nicht behauptet, sondern gelebt. Sehr.

Mag sein, dass sie die eine oder den anderen im Publikum vielleicht auch verstört. Und selbst bei jenen wird – möglicherweise auch erst sehr viel später – die eine oder andere Geschichte fortgesponnen.


(HEINZ WAGNER, Kurier)

Ein tolles Kuddelmuddel!

TWOF2 + dascollectiv erforschen spielend und tanzend, woher die Geschichten kommen, wie sie beginnen und wo sie enden. Mit dem fantasievollen Stück „Stories – wo alles beginnt“ sprechen Maria Spanring und Jussi (TWOF2) mit Rotraud Kern Volkschulkinder an. Obwohl gar keine Geschichte erzählt wird, genießen die Kinder die abwechslungsreiche Stunde mit wachem Geist und freudiger Mitarbeit.

Mit „Harald, das wilde Schaf“ haben Spanring und Jussi die Herzen der Kinder (und Erwachsenen) im Sturm erobert. (...) Diesmal wird nicht geschmust und zornig aufgestampft, sondern nach einer Geschichte gesucht und davon liegen viele einfach auf der (Bühnen-) Straße. (...) komische und spannende, alte und neue, helle und dunkle, absurde und auch verwirrende. „Das war ein einziges Kuddelmuddel“ sagt Vincent am Ende mit leuchtenden Augen und die kleinen Damen, Alna, Alina, Xenia, Roxane und Tini (sie wollen unbedingt genannt werden) kontern unisono „Aber es war toll.“

Die Geschichten die da aufgesammelt wurden, werden nie ganz erzählt, es gibt Anfänge und Schlusspointen und auch das Mittendrin. Mit elektronischen Geräuschen, Körperarbeit und Text (die Kinder haben keine Scheu dien Dialog aufzunehmen) werden bildhafte Angebote gegeben, die sich in den Köpfen der Zuschauerinnen zu Geschichten formen können. Nicht jede(r) sieht dieselbe, wenn drei im (unsichtbaren) Boot über gefährliche Meere rudern oder ein Mikrofon zum Baum, Lautsprecher zum Schwarzen Loch und der Kabelsalat zum Wald wird. (...)

So lebendig können Geschichten anfangen. Oder wars schon das Ende?

(DITTA RUDLE, Tanzschrift.at)

HARALD, DAS WILDE SCHAF

Bist du Schaf oder Wolf? Rollentausch und die Suche nach dem Ich in "Harald, das wilde Schaf" im Dschungel Wien

Schafe sind weiß, süß und gemütlich. Wölfe sind schwarz, schnell und gefährlich. Oder? Nun ja. Hier kommt der Wolf sozusagen im Schafspelz. Aber nein, er hat sich nicht nur die Klamotten des "Opfers" übergezogen. Er ist vielleicht wirklich so, wie meistens Schafe sind. Oder wie alle glauben, dass die Wolllieferanten zu sein haben. "Harald, das wilde Schaf" spielt mit dem Rollentausch - in einem knapp einstündigen Mix aus Schauspiel, Akrobatik, Live-Musik, Beatboxing und noch einigem mehr. (...)

Viele schöne, verspielte, verträumte Momente bietet diese Performance. (...)

(HEINZ WAGNER, Kurier)

Identitätskrisen, unsichere Wölfe und andere wilde Tiere

Ein "Bäh" echot durch den Saal. Noch eines, noch eines, noch eines. Christof Spanring, der Musiker, dreht dem Publikum den Rücken zu. Via Mikrofon erzeugt er, technisch unterstützt, die Vorstellung einer ganzen Schafherde - ohne aber jemals so zu tun, als wäre hier eine Schafherde. Jetzt grast sie und blökt plötzlich ganz aufgeregt. Harald, das Schaf, tritt auf und übernimmt das Mikro: "Ich bin der Wolf."

Rollenzuweisungen fallen nicht leicht. Figurendenken greift nicht wirklich. Ganz zahm tollt Wolfsschaf "Ich bin der Killer"-Ludmilla mit dem Schafswolf Harald um die Wette. Die stark körperbetonte Inszenierung von Georg Blaschke liegt den Darstellerinnen Maria Spanring und Giovanni Jussi, die das Stück als Kollektiv TWOF2 auch konzipiert haben.

Im Bühnenbild von Rebekka Dornhege lässt sich auch wunderbar turnen. Harald greift nach dem Salatkopf und isst davon. Im Magen grummelt es. Er rutscht von der Kiste und schlägt mit dem Kopf auf. Wie ferngesteuert stakst er zu einem großen Gerüst nach hinten. Tusch, wieder den Kopf angeschlagen. Diesmal an der Gerüststange. Unten durch, mitten rein, oben rauf und die Rutsche hinunter. "Der Wolf ist der Lustige", flüstert ein junger Besucher und meint damit das Schaf. Harald kommt dort zu liegen, wo sich später der Musiker im Bühnenbild auflöst.

Dessen lila Leibchen geht in der lila Matte auf, die türkise Hose in der Sitzunterlage. Er begleitet Harald und Ludmilla bei ihrem Tanz. Dann reißt er sich wieder aus dem Hintergrund und interviewt die beiden. "Harald, bist du Wolf?" - "Ja." - "Ludmilla, ist Harald Wolf?" - "Manchmal."

Statt ordentlich zu antworten, schmiegt sich Harald immer mehr an den Interviewer und umarmt ihn und Ludmilla schließlich. Sie werden zum Knäuel. "Harald, wovon träumst du?", fragt der Interviewer von ganz unten. "Ich möchte in einer Rockband spielen!" Und schon spielen sie. Ludmilla singt: "Kuh, Dackel Ziege und Schaf / du bist ein Schaf, du bist ein Schaf."

Harald, das wilde Schaf ist eine spannende Mischung aus illusionärem und konkretem Theater, aus Plan und Improvisation, aus Gesang und Geräuschmusik, aus Rollenspiel und tänzerischer Performance mit viel Humor und Charme. Auch für Kinder ab sechs Jahren.

(GEORG OBERHUMER, Der Standard)

Ein Schaf zum Verlieben

Ein Schaf blökt, alle Schafe blöken. Alle Schafe sind weiß, aber nicht alle Schafe sind nett. Und der Wolf will auch mal schmusen. Mit „Harald, das wilde Schaf“ unterhält und bezaubert „TWOF2 + dascollectiv“ im Dschungel Wien eine Stunde lang Volksschulkinder und Erwachsene.

Das Schaf (Giovanni Jussi) hat zwar weiße Wolle, will aber nicht immer im Schafspelz stecken, sondern auch so richtig wild sein. „Ich möchte ein Rock Star sein“ orgelt es begeistert und schlägt die Elektrogitarre. Der Wolf (Maria Spanring) heißt Ludmilla, das reimt sich schön auf Killer, doch kriminell, nein kriminell ist er nicht. Mitunter bekommt er zwar Lust, das Schaf zu fressen, dann aber umarmt er es doch wieder und vertrauensvoll schmiegt das wollige Schaf den Kopf an des Wolfes Schulter und macht große Schlafaugen. Schlafen übrigens, fällt Harald ziemlich schwer, nicht nur weil ein unruhiger Geist in ihm wohnt, sondern auch weil er mit seinen vier Beinen nur schwer zurecht kommt. Strecken oder beugen, das ist hier die Frage.

Auch einen Erzähler (Christof Spanring) braucht die Geschichte, doch der erzählt keine Handlung, sondern macht dem Publikum klar, dass Klischees oft ganz falsch sind und Wölfe schafsdumm, Schafe aber wolfswild sein können / wollen / dürfen.

TWOF2 (tu of tu) hält sich an keine Spartenschublade, es wird gesungen und gesummt, geturnt und getanzt, improvisiert und ironisiert, fantasiert und fabuliert und mit vollem Körpereinsatz zum fröhlichen Nachdenken angeregt. Die drei Darsteller haben sichtlich ebenso viel Freude am Raufen und Lärmen und auch dem zärtlichen Beieinander von Wolf und Schaf, wie das Publikum aller Altersstufen.

Georg Blaschke hat bei dieser Performance liebevoll und kompetent Regie geführt, sodass Gesang und Akrobatik und Tanz und die zugrunde liegende Philosophie („Theater zu erzählen, das für Menschen unterschiedlicher Kulturen und Altersstufen zugänglich ist“) nahtlos ineinanderfließen Schon wegen des wilden Rockstars im Schafspelz.

(DITTA RUDLE, Tanzschrift.at)